






variablen Gerinnebreite und vielfältiger Korngrösse.

Quelle: © D. Tinner/Aqua Viva
Übersicht Wirkung
- Verdunstung fördern
- Regenwasser langfristig zurückhalten
- Oberflächenabfluss reduzieren
- temporärer Rückhalt zur Brechung von Abflussspitzen
- kontrollierte Ableitung über Notabflussweg
- Hitzeminderung
- Anreicherung Grundwasser
- Förderung Biodiversität
- Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsraum
- Verkehrsberuhigung / -reduktion
Projektkontext/-konzept
Der Sevelerbach durchfliesst die Gemeinde Sevelen im St. Galler Rheintal und mündet in den Werdenberger Binnenkanal, der seinerseits in den Alpenrhein einmündet. Der Projektabschnitt liegt mitten im Dorf, umgeben von diversen Wohngebäuden und zwei Schulhäusern. Der Ausbau des Sevelerbaches im Dorfzentrum geht auf Hochwasserereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück, insbesondere auf ein Ereignis von 1944. Trotz des Ausbaus zeigte das Hochwasser von 2000, dass die Abflusskapazität im Dorfzentrum nicht in allen Bereichen ausreichte. Engstellen im Gerinne führten zu kritischen Situationen und machten einen erneuten wasserbaulichen Handlungsbedarf deutlich, insbesondere im Hinblick auf die sichere Ableitung eines HQ100.
Morphologisch glich der Bach eher einem Kanal: Breiten und Tiefenvariabilität fehlten weitgehend, die Ufer und teilweise auch die Sohle waren hart gesichert, und strukturreiche Elemente waren nicht vorhanden. Die ökologischen Funktionen des Gewässers waren entsprechend eingeschränkt. Zudem beeinträchtigte im Grundzustand ein Absturz von ca. 50 cm die Längsvernetzung. Ziel des Projekts war es, den Sevelerbach im Siedlungsgebiet ökologisch und hydraulisch aufzuwerten. Der zuvor kanalartig ausgebaute Abschnitt wurde auf rund 300 m aufgeweitet und das einheitliche Gerinneprofil gezielt aufgebrochen. Dies sollte die Längsvernetzung verbessern, neue aquatische Lebensräume schaffen und durch standortgerechte Bepflanzung eine nachhaltige Beschattung des Gewässers fördern. Für die Gemeinde Sevelen war es das erste Revitalisierungsprojekt, weshalb sie 2022 beim Unterstützungsprogramm «Lebendiger Dorfbach» von Aqua Viva eine Zusammenarbeit anfragte. Aqua Viva finanzierte daraufhin die Vorstudie und unterstützte den gesamten Projektprozess fachlich, insbesondere bei der Koordination mit kantonalen Stellen und in der Kommunikation.
Erfahrungsbericht
Von der ersten Idee bis zur Umsetzung vergingen rund fünf Jahre. Die Ausgangslage für eine Revitalisierung des Sevelerbachs war günstig: Ein Grossteil der betroffenen Flächen befand sich im Eigentum der Gemeinde und eines kooperativen Grundeigentümers. Auch bei den weiteren Anwohnenden stiess das Projekt mehrheitlich auf Zustimmung. Zur praktischen Umsetzung im engen Siedlungsraum wurde mangels seitlichen Platzes der Bach provisorisch eingedolt und überdeckt, um eine Baustrasse direkt über dem Gewässer zu schaffen. Danach wurden etappenweise die Röhrenelemente zurückgebaut und jeweils direkt das neue Gerinne samt Böschung ausgestaltet. Umgesetzt wurden variable Böschungsneigungen sowie eine kleinräumig differenzierte Gerinnestruktur mit Kolken und Furten zur Förderung unterschiedlicher Strömungsverhältnisse. Eine Niederwasserrinne soll die negativen Auswirkungen der Pegelschwankungen abmildern. Totholzelemente, grössere Steine und natürliche Substrate erhöhen die Rauhigkeit, strukturieren das Gerinne und schaffen Rückzugsräume für aquatische Organismen. Zudem wurde ein Absturz von ca. 50 cm zurückgebaut.
Die Bestockung mit knapp 400 Sträuchern und rund 20 Bäumen wurde gemeinsam mit Kindern der lokalen Primarschule durchgeführt. Zudem wurde ein Trampelpfad zur Erlebbarkeit des revitalisierten Abschnitts angelegt. Der revitalisierte Sevelerbach wurde rasch als neuer Lernort und Lebensraum angenommen. Der Uferraum wird heute generationenübergreifend genutzt und belebt, von Spaziergängerinnen und Spaziergängern über Familien bis hin zu Schulklassen. Damit ist mitten im Dorf ein Ort entstanden, der Begegnung ermöglicht und Natur wieder erlebbar macht. Eine GIS Analyse basierend auf der Kartierung der Habitate und der Ausmessung von Querprofilen bestätigt den visuellen Eindruck der Revitalisierung. Die Variabilität der Gerinnebreite nahm deutlich zu und die Sohle weist neu ein deutlich vielfältigeres Substrat auf. Zusätzlich zeigt die Auswertung, dass durch abgeflachte Böschungen, strukturierte Uferbereiche sowie den Einbau von Totholz und Blocksteinen neue Übergangsräume und Rückzugsräume entstanden sind, welche das Habitatangebot im Projektperimeter deutlich erweitern.
Projektinformationen
Realisierung: Februar/März 2025
Ort: Sevelen, Kanton St. Gallen
Bauherrschaft: Gemeinde Sevelen (SG)
Planung: F. Preisig AG
Ausführung: Käppeli Bau AG
Kanton: St. Gallen
Gemeinde: Sevelen
Revitalisierter Abschnitt: ca. 300 m
Gesamtkosten: ca. 750’000 Franken

