Wiederherstellung der ökologischen Vernetzung in der urbanisierten Ebene des Flusses Vedeggio

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Der mittlere und untere Teil des Vedeggio-Flusstals ist eines der wichtigsten Entwicklungsschwerpunkte im Ballungsraum Lugano mit Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten sowie Verkehrsinfrastrukturen. Die Urbanisierung hat zum Verlust landwirtschaftlicher und natürlicher Flächen geführt, die sich entlang des Vedeggio und seiner Nebenflüsse konzentrieren. Die aquatischen Lebensräume sind defizitär und stark fragmentiert. In diesem Kontext wurde ein wasserbaulicher und ökologischer Revitalisierungseingriff entlang des Roggia dei Mulini Nord (Mühlenkanal Nord) in der Gemeinde Cadempino realisiert.

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Fig. 1 Vor der Revitalisierung: Roggia dei Mulini Nord zwischen Autobahn und Fussballplatz.
Fig. 2 Vor der Revitalisierung: Zusammenfluss von Roggia dei Mulini Nord und Ponteggia.
Fig. 3 Karte der ökologischen Vernetzung: a) Roggia dei Mulini Nord (rot); b) Bach Gaggio (grün); c) Bach Ponteggia (gelb); d) Fluss Vedeggio.
Fig. 4 Exemplar der Würfelnatter, einer national prioritären und im Tessin einheimischen Art, die nach der Revitalisierung beobachtet wurde.
Fig. 5 Roggia dei Mulini Nord nach der Revitalisierung.
Fig. 6 Abschnitt der Roggia dei Mulini Nord während der Revitalisierung.
Fig. 7 Autobahnunterführung gemäss VSS-Normen gestaltet mit strukturierter Flusssohle und seitlichen Uferbänken für terrestrische Tierarten.
Fig. 8 Fussweg und Informationstafel nach der Revitalisierung.

Quelle: © Fachartigel Aqua & Gas n°9 | 2025: «Wiederherstellung der ökologischen Vernetzung in der urbanisierten Ebene des Flusses Vedeggio»

Übersicht Wirkung

intendierte Wirkung aus Sicht Regenwasser-management
  • Verdunstung fördern
  • Regenwasser langfristig zurückhalten
  • Oberflächenabfluss reduzieren
  • temporärer Rückhalt zur Brechung von Abflussspitzen
  • kontrollierte Ableitung über Notabflussweg
weitere Wirkung
  • Hitzeminderung
  • Anreicherung Grundwasser
  • Förderung Biodiversität
  • Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsraum
  • Verkehrsberuhigung / -reduktion

Projektkontext/-konzept

Der mittlere und untere Teil des Vedeggio Flusstals ist eines der wichtigsten Entwicklungsschwerpunkte im Ballungsraum Lugano mit Wohn, Gewerbe und Industriegebieten sowie Verkehrsinfrastrukturen. Die Urbanisierung hat zum Verlust landwirtschaftlicher und natürlicher Flächen geführt, die sich entlang des Vedeggio und seiner Nebenflüsse konzentrieren. Die aquatischen Lebensräume sind defizitär und stark fragmentiert. In diesem Kontext wurde ein wasserbaulicher und ökologischer Revitalisierungseingriff entlang des Roggia dei Mulini Nord in der Gemeinde Cadempino realisiert. Vor den Massnahmen wies das Gewässer erhebliche ökomorphologische Defizite auf: künstliches Flussbett und künstliche Ufer, fehlende Ufervegetation, Besiedlung durch invasive Neophyten, zwei einschneidende Hindernisse für die freie Wanderung der Fische und ein für terrestrische Tierarten unüberwindbarer Gewässerdurchlass.

Das Revitalisierungsprojekt wurde als Reaktion auf Hochwasserschutzprobleme an den Bächen Gaggio und Ponteggia gestartet. Gleichzeitig wurde die Chance genutzt, die ökologische Vernetzung des gesamten Gebiets zu verbessern. Die vom WWF Südschweiz im Jahr 2010 veröffentlichte Studie stufte die Revitalisierung des Kanals Roggia dei Mulini Nord sowie des Bachs Ponteggia als vorrangig ein. Das neue Flussbett wurde mit dem Ziel entworfen, die Flussdynamik wiederherzustellen, die freie Fischwanderung zu ermöglichen und die ökologische Vernetzung zwischen dem linken Hangfuss und der Aue des Vedeggio wiederherzustellen.

Erfahrungsbericht

Die Hochwassersicherheit wurde durch die Erweiterung des Abflussquerschnitts im Vergleich zum früheren Zustand hergestellt, wobei ein naturnaher, ökomorphologischer Zustand angestrebt wurde. Wo Infrastrukturen zu schützen waren, wurden das Flussbett und die Ufer mit Blocksteinen gesichert, wobei gleichzeitig der Bewegungsraum des Flussbetts maximiert wurde. Um die aquatischen Lebensräume zu diversifizieren und das Vorkommen kleiner Landtiere und Vögel zu fördern, wurden Flussbett und Ufer mit natürlichen Elementen wie Steinschüttung, Totholz, Sträuchern und Bäumen angereichert. Zwei wichtige Hindernisse in der Längsvernetzung wurden entfernt und durch für Fische durchlässige Rampen ersetzt. Die Autobahnunterführung wurde gemäss den VSS Normen für faunagerechte Gewässerdurchlässe gestaltet.
Einige Bestände invasiver Neophyten wie der Japanische Knöterich und der Essigbaum wurden beseitigt. Das aus dem neuen Flussbettabschnitt gewonnene Aushubmaterial wurde sortiert und sowohl für die strukturelle Verbesserung der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen als auch für die Strukturierung des neuen Flussbettes wiederverwendet, wodurch sich eine neutrale Materialbilanz erreichen liess. Parallel zu den ökologischen Zielen wurden Massnahmen für die öffentliche Nutzung integriert: Ein durchgehender Fussweg entlang des linken Ufers und zwei Holzbrücken über die Bäche Gaggio und Ponteggia verbessern die Zugänglichkeit und Verbindung zwischen urbanen und naturnahen Bereichen, insbesondere zum Fluss Vedeggio.

Projektinformationen

Realisierung: 2019 bis 2024

Ort: Cadempino, Kanton Tessin

Auftraggeber: Gemeinde Cadempino

Planung: Oikos, Consulenza e ingegneria ambientale Sagl, Bellinzona; Ingegneria Bottani e Forrer SA, Caslano

Ausführung: Pervangher impresa costruzioni, Airolo; Eco 2000 SA, Riva San Vitale

Revitalisierter Abschnitt: ca. 300 m

Gesamtkosten: ca. 1,6 Millionen Franken

Finanzierung: Kanton und Bund 85 %, Gemeinde 15 %

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