Revitalisierung des Werdenberger Binnenkanals

Erstellt am

•

Aktualisiert am

2016/2017 wurde der Werdenberger Binnenkanal in Buchs SG auf einer Länge von zwei Kilometern ökologisch aufgewertet. Aus dem ehemals monotonen Kanal wurde ein naturnahes, teilweise verzweigtes Gerinne mit ausgeprägter Breiten- und Tiefenvariabilität. Das Projekt zeigt bereits Wirkung, denn die Artenzusammensetzung ist vielfältiger geworden und die Dichte der gewässertypischen Fischarten ist gestiegen.

Kategorien

Der versetze Flusslauf im reaktivierten Auenwald und der zugeschüttete Kanal. Links oben sind die A13 und dahinter der Alpenrhein zu erkennen.
Aufweitungsstrecke während des Baus im Januar 2017 …
… und ein Jahr nach Bauabschluss im Juni 2018.
Verlegungsstrecke nach der Rodung im Oktober 2016 und …
… direkt nach Bauabschluss im Mai 2017.

Quelle: © Amt für Wasser und Energie Kt. St. Gallen

Übersicht Wirkung

intendierte Wirkung aus Sicht Regenwasser-management
  • Verdunstung fördern
  • Regenwasser langfristig zurückhalten
  • Oberflächenabfluss reduzieren
  • temporärer Rückhalt zur Brechung von Abflussspitzen
  • kontrollierte Ableitung über Notabflussweg
weitere Wirkung
  • Hitzeminderung
  • Anreicherung Grundwasser
  • Förderung Biodiversität
  • Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsraum
  • Verkehrsberuhigung / -reduktion

Projektkontext/-konzept

Der Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Werdenberger Binnenkanal (WBK) ist der Entwässerungskanal für das Wasser aus den Seitengewässern des Rheins an der westlichen Talflanke des oberen Rheintals. Vor seinem Bau wies der linksseitige Rheindamm Öffnungen für die Zuflüsse der Seitenbäche auf. Dies hatte zur Folge, dass bei Hochwasser des Rheins die Seitenbäche zurückgestaut wurden oder aber das Rheinwasser durch Lücken trat und grosse Flächen überflutete. So wurde der Kanal auf seiner gesamten Länge von rund 21 Kilometern als monotones Trapezprofil ausgestaltet, um das anfallende Wasser möglichst rasch in den Rhein zu führen.

Trotz stetiger Unterhaltsarbeiten war der WBK als Bauwerk am Ende seiner Lebensdauer angelangt. Dies zeigte sich im vermehrten Auftreten von Rutschungen und Abbrüchen der Böschungen oder grösseren Abschnitten mit zerstörtem oder vollständig fehlendem Uferschutz. Um die Funktionalität des Bauwerks zu erhalten, waren daher Sanierungsmassnahmen unumgänglich. Nördlich von Buchs SG ergab sich die Möglichkeit, die notwendigen Instandstellungsarbeiten mit einer grosszügigen Revitalisierung zu kombinieren. Durch eine Gewässerverlegung, Aufweitungen und Böschungsabflachungen konnte auf einen klassischen Uferschutz vollständig verzichtet werden. Entstanden ist ein Pilotprojekt mit Vorzeigecharakter.

Erfahrungsbericht

Das Revitalisierungsprojekt wurde zwischen September 2016 und Juni 2017 umgesetzt. Auf einer Länge von rund zwei Kilometern konnte aus dem ehemals monotonen Kanal ein naturnahes, teilweise verzweigtes Gerinne mit ausgeprägter Breiten und Tiefenvariabilität gestaltet werden. Die dem Gewässer im Mittel zur Verfügung stehende Breite verdreifachte sich von 20 auf 60 Meter. Im mittleren Abschnitt wurde der Kanal grossräumig in einen ehemaligen Auenwald verlegt, in dem noch verschiedene Altläufe des Rheins sichtbar waren. Durch diese Verlegung konnte dem Gewässer ein grosszügiger Raum mit einer Breite von bis zu 150 Metern zugestanden werden. Dank der realisierten Inseln und dem verzweigten Lauf wurde die Länge der Uferlinie massiv erhöht. Zudem konnten schnell und langsam fliessende Gewässerabschnitte sowie stehende Hinterwasser geschaffen werden. Durch die Massnahmen entstand ein neues Landschaftsbild, das neben der angestrebten ökologischen Aufwertung auch zu einem attraktiven Naherholungsgebiet geworden ist.

Die Revitalisierung des zwei Kilometer langen Teilabschnittes des Werdenberger Binnenkanals profitierte von einer kurzen Planungszeit und einer schnellen Umsetzung. Zwischen dem ersten Projektentwurf im Januar 2015 und dem Bauabschluss im Juni 2017 vergingen nur zweieinhalb Jahre. So konnte das Pilotprojekt mit der grosszügigen Flussraumgestaltung und der gleichzeitigen Reaktivierung eines ehemaligen Auenwaldes von Pflanzen und Tieren bereits gut aufgenommen werden. Insbesondere auch die Naherholenden schätzen das neu geschaffene, attraktive Naherholungsgebiet in Siedlungsnähe. Die positive Bilanz war entscheidend, sodass anschliessend die Revitalisierung des gesamten 21 Kilometer langen Kanals konzipiert werden konnte. Eine grosse Herausforderung eines Revitalisierungsprojektes ist der fachgerechte Unterhalt der revitalisierten Strecke, da die Phase anschliessend an die Revitalisierungsarbeiten für eine erfolgreiche ökologische Entwicklung entscheidend ist.

Projektinformationen

Realisierung: September 2016 bis Juni 2017

Ort: Buchs, Kanton St. Gallen

Kanton: St. Gallen

Gemeinde: Buchs

Revitalisierter Abschnitt: ca. 2 km

Gesamtkosten: 3,7 Mio. Franken

Beitragssatz Bund: 80 %

Weitere Informationen