Revitalisierung der Mündung des Mujon

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Der Mujon entspringt am Fusse des Waadtländer Jura, fliesst anschliessend durch die Plaine de l’Orbe und mündet schliesslich im Neuenburgersee auf dem Gebiet der Gemeinde Yverdon-les-Bains. Im Bereich seiner Mündung ist er Teil von Sumpflandschaften und Biotopen von nationaler Bedeutung. Der Mujon sowie die angrenzenden Auenwälder wiesen dort erhebliche Funktionsdefizite auf. Angesichts dieser Feststellung wurde das Mündungsgebiet des Mujon von November 2019 bis Mai 2020 revitalisiert.

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Die bestehenden Uferbefestigungen wurden entfernt, und das Flussbett des Mujon wurde durch eine Variation der Uferneigungen und der Topografie des Flusslaufs gestaltet. Am linken Ufer wurden die Pappelkultivare gefällt, um die Entwicklung standortgerechter Waldlebensräume zu ermöglichen.
Die bestehenden Materialablagerungen am linken Ufer der Mündung im Bois des Vernes wurden beseitigt und Wasserflächen angelegt, um ein für die Entwicklung von Auenvegetationsabfolgen an diesem Standort günstiges Wasserregime im Boden wiederherzustellen.
Auf dem renaturierten Abschnitt hat sich rasch eine Pionierflora im Auenbereich etabliert, die sich durch eine bemerkenswerte Artenvielfalt an für Feucht- und Gewässerstandorte typischen Arten auszeichnet. Ein Weg für den sanften Verkehr sowie Aussichtsplattformen bieten der Bevölkerung einen Erholungsort in unmittelbarer Nähe der Stadt.
Fast drei Jahre nach den Bauarbeiten hat sich an der Stelle der ehemaligen Aufschüttungen ein Mosaik aus Feuchtgebieten gebildet.

Quelle: © biol conseils

Übersicht Wirkung

intendierte Wirkung aus Sicht Regenwasser-management
  • Verdunstung fördern
  • Regenwasser langfristig zurückhalten
  • Oberflächenabfluss reduzieren
  • temporärer Rückhalt zur Brechung von Abflussspitzen
  • kontrollierte Ableitung über Notabflussweg
weitere Wirkung
  • Hitzeminderung
  • Anreicherung Grundwasser
  • Förderung Biodiversität
  • Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsraum
  • Verkehrsberuhigung / -reduktion

Projektkontext

Die Mündung des Mujon, d. h. der Mujon selbst und der Bois des Vernes an seinem linken Ufer, ist ein Gebiet von ausserordentlich hohem biologischem und landschaftlichem Wert, das in mehreren kantonalen und eidgenössischen Bestandsaufnahmen ausgewiesen ist. Dieses Gebiet wurde jedoch im 20. Jahrhundert mehrfach in Folge beeinträchtigt. Der Mujon wurde kanalisiert und seine Ufer aufgeschüttet. Auch der Bois des Vernes war Gegenstand von Aufschüttungen – stellenweise mit belastetem Material – sowie von Waldpflanzungen mit standortfremden Baumarten. Diese Eingriffe haben insbesondere die Ökomorphologie des Mujon und seine laterale Vernetzung beeinträchtigt.

Angesichts dieser Defizite hat die Gemeinde Yverdon-les-Bains in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion für Umwelt, Abteilung Wasser und Wasserkraft des Kantons Waadt, ein ehrgeiziges Revitalisierungsprojekt umgesetzt, um das biologische und landschaftliche Potenzial der Mündung des Mujon voll auszuschöpfen. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Geschäftsbüro der Association de la Grande Cariçaie ausgearbeitet, die das Naturschutzgebiet verwaltet, zu dem auch der Bois des Vernes gehört. In Zusammenarbeit mit dem Agglomerationsbüro AggloY wurden Massnahmen zur Besucherbetreuung und -führung in das Projekt integriert, um das Angebot an Wegen für den sanften Verkehr zu stärken und Störungen der Tierwelt zu begrenzen.

Erfahrungsbericht

Die ersten Arbeiten am Mujon bestanden darin, die bestehenden Uferbefestigungen – Betonplatten – zu entfernen. Anschliessend konnten die Arbeiten zur Gestaltung des Flussbetts und der Ufer in Angriff genommen werden. Dabei wurden Breite und Tiefe des Flussbetts variiert, um unterschiedliche Strömungsverhältnisse zu schaffen. Unmittelbar nach Abschluss der Arbeiten etablierte sich im Flussbett rasch eine grosse Vielfalt an Helophyten und Hydrophyten, ganz im Sinne der Projektziele, die darauf abzielten, günstige Bedingungen für zwei bedrohte Pflanzenarten an der Mündung des Mujon zu schaffen: die Grosse Glycerie und die Amphibische Kresse. Am linken Ufer wurden Flussarme angelegt, die dauerhaft oder vorübergehend mit Wasser gefüllt sind. Sie dienen insbesondere den Karpfenfischen als Aufwuchshabitate und den Libellen als Laich- und Larvenaufzuchtgebiete.

Die neuen Gewässer haben die Attraktivität des «Bois des Vernes» für Amphibien deutlich gesteigert; dieser ist im eidgenössischen Inventar der Amphibienlaichplätze von nationaler Bedeutung aufgeführt. Das Revitalisierungsprojekt an der Mündung des Mujon hat dazu beigetragen, intensive und widerstandsfähige Wechselbeziehungen zwischen dem Mujon und dem Waldgebiet «Bois des Vernes» wiederherzustellen. Es entstand ein Mosaik aus terrestrischen, alluvialen und aquatischen Lebensräumen. Dieses trägt zur Aufrechterhaltung des biologischen Austauschs am Westufer des Neuenburgersees bei und stellt zudem einen ersten Meilenstein für die Wiederherstellung des biologischen Austauschs zwischen den Seeufern und dem Hinterland dar. Aus menschlicher Sicht hat das Projekt in Mujon dazu beigetragen, zahlreiche Akteure der Region im Rahmen eines gemeinsamen Projekts zu vernetzen. So entstanden vielfältige Synergien zwischen kommunalen und kantonalen Behörden, Planungsbüros, Betreibern und Quartiervereinen, um ein in jeder Hinsicht integriertes Projekt zu entwickeln. Diese Zusammenarbeit wird derzeit im Rahmen der Unterhaltsarbeiten an der revitalisierten Mündung fortgesetzt.

Projektinformationen

Besonderheit: Auengebiet, Mündung

Grösse: Kleiner Fliessgewässer im Mittelland

Kontext: Städtisch, Seeufer

Renaturierter Abschnitt: 350 m

Breite des Gewässerraums: 53 m

Gesamtkosten: 857’000 CHF

Subventionskosten: 514’000 CHF vom Kanton Waadt und 300’000 CHF vom Bund

Ausführung: November 2019 bis Mai 2020

Weitere Informationen