ARA Sarneraatal – biodiverse Retentions- und Versickerungsmulde

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Die Erweiterung der ARA Sarneraatal mit der 4. Reinigungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen führt zu einer höheren Versiegelung. Dies hätte zu einer Überlastung der Ablaufleitung geführt, weshalb die Chance genutzt wurde, um Schwammstadtmassnahmen umzusetzen. Die MV-Stufe wurde überdacht und das Wasser in eine Retentionsmulde geleitet, die die Verdunstung fördert. Überschüssiges Wasser wird gedrosselt mit schlecht durchlässigem Untergrund. Das Wasser wird gedrosselt zusammen mit dem Platzwasser in eine Versickerungsmulde geleitet.

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Simon Matter
Planausschnitt mit Perimeter der neuen MV-Stufe
Florence Leuzinger
Florence Leuzinger
durchlässig gestaltete Parkplätze und Versickerungsmulde
Florence Leuzinger

Bildquelle: Hunziker Betatech AG

Übersicht Wirkung

intendierte Wirkung aus Sicht Regenwasser-management
  • Verdunstung fördern
  • Regenwasser langfristig zurückhalten
  • Oberflächenabfluss reduzieren
  • temporärer Rückhalt zur Brechung von Abflussspitzen
  • kontrollierte Ableitung über Notabflussweg
weitere Wirkung
  • Hitzeminderung
  • Anreicherung Grundwasser
  • Förderung Biodiversität
  • Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsraum
  • Verkehrsberuhigung / -reduktion

Schwammstadtelemente

Das Dachwasser der neuen Stufe wird in eine angrenzende Retentionsmulde geleitet, wo das Wasser primär über die Vegetation verdunstet und bei Starkregen gedrosselt in eine nachfolgende Versickerungsmulde zur konzentrierten Versickerung in den Untergrund geführt wird.

Wo erforderlich zur Behandlung von Platzwasser, wird gezielt belebter Boden eingesetzt. In den übrigen Bereichen werden die Grünflächen als ökologisch wertvolle magere Standorte erstellt.

Der Vorplatz westlich der ARA zwischen Parkplatz und Retentionsmulde wurde als flutbarer Vorplatz ausgebildet, die Parkplätze durchlässig gestaltet.

Nutzen und Wirkungen

Die Abflussreduktion ist erfolgreich, die Versickerung funktioniert und selbst bei Starkregen wurde bisher kein Überlaufen festgestellt. Ob sich auch der gewünschte Begrünungserfolg und der Mehrwert für die Biodiversität einstellen, lässt sich noch nicht abschliessend beurteilen, da Pflanzung und Ansaat erst im Herbst 2025 erfolgt sind.

Planung, Projektierung, Dimensionierung

Auslöser für das Projekt war der Bau einer MV-Stufe auf der Kläranlage, die zu zusätzlicher Versiegelung führt, welche in einer Überlastung der Ablaufleitung resultiert hätte. Die Verortung von Schwammstadtelementen erlauben eine Bewältigung bis zum zehnjährlichen Regenereignis und ein gezieltes Überlaufen in eine gefahrlose Richtung. Die Retentions- und Versickerungsbereiche wurden ökologisch wertvoll begrünt und liefern gemeinsam mit dem neu gesetzten Baum einen Beitrag zu Hitzeminderung und Aufenthaltsqualität

Erfahrungen Bau

Der Bau erfolgte nicht über den klassischen Tiefbau, sondern durch einen Gärtner. Dieser Entscheid, gemeinsam mit einer detaillierten Ausführungsplanung und einer Begleitung während der Realisierung ermöglichte eine erfolgreiche Umsetzung. Insbesondere musste zwingend sichergestellt werden, dass der Untergrund nur gering verdichtet wird.

Betrieb, Monitoring, Unterhalt

Für Betrieb und Monitoring sind regelmässige Fotos sowie Rückmeldungen von Betrieb und Projektleitung vorgesehen. Der Unterhalt soll ebenfalls durch einen Gärtner erfolgen, wobei die genauen Intervalle noch nicht festgelegt sind.

Gewonnene Erkenntnisse, Erfahrungsbericht

Die Anlage funktioniert nach aktuellem Stand wie vorgesehen. Im Frühling wird sich allerdings klarer zeigen, wie gut sich Begrünung, Ansaat und Gesamtwirkung tatsächlich entwickeln.

Projektinformationen

Planung und Ausführung: April 2022 – August 2025

Eigentümer/-in: ARA Sarneraatal (Verband) (Öffentlich)

Bauherrschaft: ARA Sarneraatal (Verband)

Kanton: Obwalden

Gemeinde: Alpnach

Autorenschaft: Simon Matter, Hunziker Betatech AG