Umgestaltung des Dorfzentrums von Vétroz

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Die Gemeinde Vétroz und der kantonale Mobilitätsdienst des Kantons Wallis (SDM) tragen gemeinsam die Umgestaltung der Kantonsstrasse und ihrer Umgebung. Die Strasse durchquert das Dorf als hochwertiger öffentlicher Raum, der eine bessere Koexistenz der verschiedenen Nutzenden ermöglicht und gleichzeitig einen Ort für das lokale Gewerbe schafft. Zudem soll ein durchlässigerer, kühlerer Boden entstehen, auf dem sich Vegetation und Bäume von Fassade zu Fassade entwickeln können.

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©Bilder: Paysagestion SA

Übersicht Wirkung

intendierte Wirkung aus Sicht Regenwasser-management
  • Verdunstung fördern
  • Regenwasser langfristig zurückhalten
  • Oberflächenabfluss reduzieren
  • temporärer Rückhalt zur Brechung von Abflussspitzen
  • kontrollierte Ableitung über Notabflussweg
weitere Wirkung
  • Hitzeminderung
  • Anreicherung Grundwasser
  • Förderung Biodiversität
  • Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsraum
  • Verkehrsberuhigung / -reduktion

Projektkonzept

Ziel der Umgestaltung ist eine gerechte Aufteilung des Raums und der Prioritäten zwischen allen Verkehrsteilnehmenden, insbesondere durch die Verringerung des motorisierten Verkehrsanteils. Die Umgestaltung soll Autofahrer/-innen dazu anregen, ihre Geschwindigkeit zu reduzieren und die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h einzuhalten. Die vorgeschlagene Gestaltung fördert die räumliche Koexistenz der verschiedenen Verkehrsträger/-innen und kennzeichnet gleichzeitig auf den Plätzen oder entlang der Kantonsstrasse bestimmte Bereiche oder Kreuzungen, die eine attraktive und sichere Überquerung für Fussgänger/-innen gewährleisten, aber auch Grünflächen (Pocket-Parks und Plätze mit starker Entsiegelung und Baumbestand).

Schwammstadtelemente

Parkplätze wurden mit Rasengittersteinen gestaltet, in die das Niederschlagswasser von angrenzendem Asphalt infiltriert. Bei Starkregen kann überschüssiges Wasser in Kiesgärten mit Baumgruben (terre-pierre) entlang der Kantonsstrasse versickern. Diese Gruben fördern die Vitalität der Bäume und dienen gleichzeitig als Wasserspeicher. Verdunstung über entsiegelte oder teilversiegelte Flächen, neue Grünräume und Bäume sorgt für ein kühleres Mikroklima. Auf Plätzen wurden, wo möglich, Beläge aus Kalk-Ton-Gemischen oder Rasen-Gittersteinen gewählt.

Parzellenübergreifendes Regenwassermanagement

Das Projekt folgt dem klaren Willen, die Strasse wieder als Lebens-, Begegnungs- und Aufenthaltsraum zu begreifen und die dörfliche Identität zu stärken. Der öffentliche Raum wird mit einheitlichen Materialien von Fassade zu Fassade neu gestaltet und verbindet so die verschiedenen Bereiche des Ortskerns.

Für die geplanten Arbeiten war teilweise eine temporäre Enteignung von Privatgrundstücken nötig. Diese wurde durch eine vertragliche Vereinbarung mit den Eigentümer/-innen geregelt und war Teil des Baugesuchs. Nach Abschluss der Arbeiten wird das genutzte Land zurückgegeben oder in Einzelfällen dem öffentlichen Grund zugeführt. Dieses gesetzlich geregelte Verfahren dient dazu, das Gemeinwohl mit dem Eigentumsschutz zu vereinen. Es ermöglicht z. B. die Schaffung von Pocketgärten, breiteren Gehwegen und insgesamt einer verbesserten städtischen Lebensqualität.

Die baulichen Massnahmen zielen darauf ab, die Bodenversickerung durch Pocketgärten, begrünte Plätze sowie durchlässige oder halbdurchlässige Beläge zu verbessern und die Biodiversität wiederherzustellen. Die ökologische Vernetzung wird gestärkt, u. a. durch die Aufwertung des Weinberghangs, der Bachläufe und der historischen Wasserläufe als lebendige Landschaftselemente. Besonderes Augenmerk gilt der Auswahl der Pflanzenarten und dem Regenwassermanagement, auch bis zum Anschluss an private Fassadenbereiche.

Unterhalt

Die Pflege der Anlagen erfolgt durch die Gemeinde gemäss einem spezifischen Unterhaltskonzept. Verträge regeln die Verantwortlichkeiten für langfristige Funktion, insbesondere bei rigolenartigen Elementen und Begrünung. Die Wahl der Pflanzen erfolgte in Zusammenarbeit mit den zukünftigen Pflegeverantwortlichen.

Gewonnene Erkenntnisse

  • Politischer Wille auf Gemeinde- und Kantonsebene entscheidend
  • Zusammenarbeit mit Eigentümer/-innen und partizipativer Prozess stärken die Umsetzung
  • Regenwasserkonzept verlangt gezielte Kommunikation und Pflegeplanung

Projektinformationen

Planung und Umsetzung: 2016 – laufend
Ort: Vétroz, Kanton Wallis
Bauherrschaft & Trägerschaft: Kanton Wallis (SDM), Gemeinde Vétroz
Planer:innen: Localarchitecture, Paysagestion SA, BTI SA, MRS
Kontaktpersonen: Guillaume Bonvin (Technischer Dienst Gemeinde Vétroz), Nicolas Pasquier (SDM)
Bewilligungsinstanz: Baugesuch wurde gemeinsam von der Gemeinde Vétroz und dem Kanton Wallis (SDM) eingereicht

Weitere Informationen

  • Plan von Paysagestion SA