Siedlung Zurlinden Zürich

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Die räumliche Aufwertung der denkmalgeschützte Siedlung Zurlinden aus den 1920-er Jahren hatte zum Ziel, die Freiräume um die ehemalige Arbeitersiedlung stadtklimatisch und stadtökologisch aufzuwerten, und gleichzeitig einen lebendigen Alltagsraum zu schaffen. Aus dem gegen die Fritschiwiese offenen asphaltierten Hof ist so ein «verkrauteter Hinterhof» geworden, der sowohl das Mikroklima und die Biodiversität, wie auch die Aufenthaltsqualität positiv beeinflusst.

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©Bilder: Thomas Haug

Übersicht Wirkung

intendierte Wirkung aus Sicht Regenwasser-management
  • Verdunstung fördern
  • Regenwasser langfristig zurückhalten
  • Oberflächenabfluss reduzieren
  • temporärer Rückhalt zur Brechung von Abflussspitzen
  • kontrollierte Ableitung über Notabflussweg
weitere Wirkung
  • Hitzeminderung
  • Anreicherung Grundwasser
  • Förderung Biodiversität
  • Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsraum
  • Verkehrsberuhigung / -reduktion

Projektkontext

Im Rahmen der baulichen Sanierung der Arbeitersiedlung aus den 1920er Jahren sollten die Freiräume um die denkmalgeschützte Siedlung stadtökologisch und stadtklimatisch aufgewertet werden. Der zur Fritschiwiese offene Asphalthof wurde durch Entsiegelung und Bepflanzung zu einem nutzbaren Aufenthaltsraum umgestaltet. Durch die Pflanzung einer niedrigen Hecke am Übergang zur Fritschiwiese wurde zudem eine Übergangszone geschaffen, welche den öffentlichen und privaten Raum voneinander abgrenzt – und gleichzeitig nutzbar macht. Mit einfachen Mitteln konnte so viel Potential ausgeschöpft werden und aus einer Asphaltwüste entstand eine nutzbare Siedlungsoase.


Schwammstadtelemente

Der ehemalige Asphalthof wurde durch sickerfähigen Kies ersetzt und teilweise bepflanzt. Am Übergang zur Fritschiwiese wurde eine niedrige Hecke gepflanzt und die alten Bäume im Hof wurden erhalten. Diese Massnahmen verbessern nicht nur die Versickerung, sondern bewirken auch einen kühlenden Effekt und fördern die Biodiversität. Bunte Vorgärten entlang der Strasse locken Insekten an und werten die Strasse auf. Im Hof trägt die zonierende Gestaltung der Bepflanzung zudem dazu bei, dass diese Zone als Begegnungsraum wahrgenommen wird. Die Versickerung des Dachwassers erfolgt wo möglich über den Innenhof. So können c. 20% des Dachwassers vor Ort versickert werden. Eine unterirdische Rigole und Versickerungsmulden stellen die Versickerung auch bei Starkregen sicher. Bei der topographische Gestaltung wurde zudem beachtet, dass eine temporäre Flutung bei Starkniederschlägen möglich ist und nicht zu Schäden am Gebäude führt. Die Regenwasserbewirtschaftung wurde auf ein Bemessungsereignis von 10 Jahren ausgelegt.


Planung und Dimensionierung

Für die Planung des Projekts wurde ein pragmatischer Ansatz gewählt. Als Planungsgrundlage diente eine Handskizze der Landschaftsarchitekten und die Umsetzung des Projekts wurde mit viel Präsenz auf der Baustelle, wie etwa beim Auslegen der Pflanzen, begleitet. 


Nutzen und Wirkungen des Projektes

Die Entsiegelung des Asphalthofes fördert die Versickerung von Regenwasser und reduziert den Oberflächenabfluss. Dabei wurde möglichst viel Bodenvolumen als Wurzelraum und für den Wasserhaushalt von Unterbauung freigehalten. Durch den Einsatz einer unterirdische Rigole können Abflussspitzen zudem temporär zurückgehalten werden. Die Erhaltung der Bäume im Hof trägt zur Hitzeminderung bei und fördert die Verdunstung. Die Biodiversität wird durch die Hecke und Pflanzungen im sickerfähigen Kies und in Vorgärten entlang der Strasse gefördert. Diese Massnahmen tragen auch zur Verdunstung, Hitzeminderung und der Schaffung eines Begegnungsraum bei. Mittlerweile haben die Anwohner den begrünten Hof mit Tischen, Bänken und Pflanzengefässen ergänzt.

Gewonnene Erkenntnisse

Projekte am baulichen Bestand können einen wesentlichen Beitrag zur klimaangepassten Siedlungsentwicklung leisten. Da der bauliche Bestand den grössten Teil der Siedlungsfläche ausmacht, ist es zentral, dass solche Projekte angegangen werden. Insbesondere alte bauliche Strukturen bieten dafür gute Möglichkeiten, da beispielsweise Dachentwässerungsrohre bei alten Bauten von aussen gut zugänglich sind. Bei der Umsetzung des Projekts Siedlung Zurlinden wurden Schwierigkeiten vor allem aufgrund der kleinteiligen Grundeigentumsverhältnisse angetroffen. Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts ist der Beharrlichkeit der beteiligten Planer zuzuschreiben, sowie der Bereitschaft der Auftraggeber, neue Wege zu gehen.

Projektinformationen

Planung und Ausführung: 2020 – 2023

Fertigstellung: 2023

Bauherrschaft: Amt für Hochbauten, Stadt Zürich

Eigentümer: Liegenschaften Stadt Zürich

Architekturbüro: Stücheli Architekten

Landschaftsarchitekturbüro: ORT AG für Landschaftsarchitektur

Beteiligte Partner: Bischof Föhn Architekten

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