Siedlung Schönau Steinach

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Die Siedlung Schönau liegt in der Gemeinde Steinach in der Bodenseeregion, in unmittelbarer Nähe von Arbon. Das Bauvorhaben umfasst drei Wohngebäude mit insgesamt 72 Mietwohnungen, die den Anforderungen des Minergie-Standards entsprechen. Bei der Errichtung der Siedlung wurde auf eine moderne Regenwasserbewirtschaftung geachtet und verschiedene Elemente des Schwammstadtprinzips wurden auf dem Gelände integriert.

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oberflächige Versickerung des Regenwassers auf einem Vorplatz
oberflächige Versickerung des Regenwassers
offene Flutmulde zur Retention bei Starkregen
offene Flutmulde zur Retention bei Starkregen
begrünte Entwässerungsgräben
begrünte Entwässerungsgräben
sichtbare oberflächliche Ableitung des Regenwassers
sichtbare oberflächliche Ableitung des Regenwassers
Parkplatz mit sickerfähigen Oberflächen und Entwässerung über die Schulter
Parkplatz mit sickerfähigen Oberflächen und Entwässerung über die Schulter
sickerfähig gestaltetete Fusswege
freie Architekturgestaltung, vorgegebene RW-Bewirtschaftung
freie Architekturgestaltung, vorgegebene RW-Bewirtschaftung
Quartierplatz mit Brunnen
Quartierplatz mit Brunnen
Notüberlauf

©Bilder: Silvia Oppliger

Übersicht Wirkung

intendierte Wirkung aus Sicht Regenwasser-management
  • Verdunstung fördern
  • Regenwasser langfristig zurückhalten
  • Oberflächenabfluss reduzieren
  • temporärer Rückhalt zur Brechung von Abflussspitzen
  • kontrollierte Ableitung über Notabflussweg
weitere Wirkung
  • Hitzeminderung
  • Anreicherung Grundwasser
  • Förderung Biodiversität
  • Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsraum
  • Verkehrsberuhigung / -reduktion

Projektkonzept

Das Neubauprojekt der Siedlung Schönau aus dem Jahr 2011 besteht aus Ein- und Mehrfamilienhäusern. Das Gebiet umfasst mehrere Parzellen, die verschiedenen Eigentümern gehören. Die Planung des Projekts begann bereits im Jahr 2008, also deutlich vor den Diskussionen um klimaangepasste Projekte. Die Siedlung Schönau umfasst verschiedene Elemente, die dem Prinzip der Schwammstadt entsprechen. Der Umgang mit dem Regenwasser wurde in diesem Projekt bereits auf Stufe Sondernutzungsplanung festgelegt. Die einzelnen Bauherren und Eigentümer waren in der architektonischen relativ frei, mussten sich aber an das übergeordnete Entwässerungskonzept halten. Dies ist insbesondere bei den Einfamilienhäuser ersichtlich, welche sehr unterschiedlich aussehen, aber alle das Regenwasser oberflächlich bewirtschaften bzw. ableiten.

Schwammstadtelemente

Auf dem Areal der Siedlung Schönau gibt es mehrere Elemente, die den natürlichen Wasserkreislauf unterstützen. Der Anteil der versickerungsfähigen Flächen ist besonders hoch und das gesamte Regenwasser wird oberflächlich geführt. Dies mach das Regenwasser sicht- und erlebbar. Retentions- und Versickerungsmulden wurden installiert, um das anfallende Regenwasser aufzunehmen und zurückzuhalten. Die Geländetopografie sorgt dafür, dass der Oberflächenabfluss möglichst schadenfrei ist. Es gibt einige Flächen, die bei starkem Regen überflutet und eingestaut werden können. 4 Notüberläufe, unter anderen in den nahegelegenen Salbach können bei starken Regenereignissen zusätzlich Wasser in den Bodensee ableiten.

Die Grünflächenanteile der Siedlung Schönau sind durchschnittlich. Da das Gelände vor dem Neubau ein Industriegebiet war, konnte keine bestehende Begrünung übernommen werden. Für die angepflanzte Vegetation wurden geeignete und klimaangepasste Pflanzen ausgewählt, die ein hohes Alter erreichen können. Beim Bau der Ein- und Mehrfamilienhäuser wurde darauf geachtet, ausreichend Platz für die Wurzeln der gepflanzten Bäume zu schaffen und Kollisionen mit Werkleitungen zu vermeiden. Die Stämme der gepflanzten Bäume sind geschützt, um ein ungestörtes Wachstum zu gewährleisten.

Die Dächer der Neubauten wurden begrünt. Die Mehrfamilienhäuser erhielten eine extensive Begrünung mit einer Substratdicke von 100 mm. Regenwasser auf den Dächern wird zurückgehalten und dann sichtbar auf dem Dach abgeleitet. Das Wasser fliesst im Erdgeschoss oberflächig in ein Grabensystem.

In Bezug auf die Artenvielfalt lässt sich sagen, dass die Siedlungsplanung nicht gezielt auf Biodiversität ausgerichtet war. Trotzdem weist das Gelände eine Vielfalt an Blüten auf und dient somit als Nahrungsquelle für einheimische Fauna. Bei der Wahl der Pflanzen wurde darauf geachtet, dass keine invasiven Neophyten verwendet wurden und diese somit standortangepasst sind. Die Vegetation der Siedlung Schönau eignet sich als Trittsteinbiotop für wandernde Arten.

Unterhalt

Die Vegetationsentwicklung wird von der Natur reguliert. Es erfolgen keine Eingriffe durch Unterhalts- oder Gartenfirmen. Für die Liegenschaften gibt es eine Hauswartung, die für die Mietobjekte zuständig ist. Bei den Einfamilienhäusern gilt das Prinzip der Eigenverantwortung. Die Eigentümerinnen und Eigentümer müssen dafür sorgen, dass Gräben und Mulden regelmäßig gereinigt werden.

Gewonnene Erkenntnisse

Das Projekt der Siedlung Schönau konnte wie geplant umgesetzt werden. Eine frühzeitige Bearbeitung des Themas hatte einen positiven Einfluss auf den Neubau. Nach einigen Jahren Bewohnung der Siedlung kann festgestellt werden, dass sich die Siedlung positiv entwickelt hat und die Ziele erreicht wurden.
Es ist aber darauf zu achten, dass bei Eigentums- oder Hauswartswechsel die neuen Eigentümer:innen auf das Entwässerungskonzept aufmerksam gemacht und für die oberflächliche Regenwasserbewirtschaftung sensibilisiert werden. Die Gemeinde hat einen Fall dokumentiert, bei dem bei einem Eigentumswechsel ein offener Entwässerungsgraben durch eine Leitung ersetzt wurde, weil der automatische Mähroboter mit der Vertiefung in der Wiese Mühe bekundete.

Projektinformationen

Planung und Ausführung: 2008 – 2015

Bauherrschaft: Arbonia AG, Arbon

Architekturbüro: Gisel+Partner AG, Arbon & Wäspe+Partner AG, St. Gallen

Landschaftsarchitekturbüro: Peter Weber, Wolfhalden

Ingenieurbüro: Näf & Partner AG, Arbon & Wälli AG, Arbon

Geologe: Andres Geotechnik AG, St. Gallen

Raumplanung und Entwicklung: Strittmatter & Partner AG, St. Gallen

Kontaktpersonen: Christian Meng, Gisel + Partner AG, Arbon

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