Aufwertung Früeblibach in Dielsdorf

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Der Früeblibach verläuft mitten durch das Zentrum von Dielsdorf im Zürcher Unterland. Lange Zeit war er ein unscheinbares technisches Gerinne ohne ökologische Qualität oder Aufenthaltswert. Im Zuge der Umgestaltung der Geerenstrasse bot sich die Chance, den Bachabschnitt aufzuwerten und ihn wieder als erlebbares Element in den öffentlichen Raum zu integrieren. Trotz sehr knapper Platzverhältnisse konnten wichtige ökologische, hydraulische und städtebauliche Ziele umgesetzt werden.

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Bilder: Müller Ingenieure AG

Übersicht Wirkung

intendierte Wirkung aus Sicht Regenwasser-management
  • Verdunstung fördern
  • Regenwasser langfristig zurückhalten
  • Oberflächenabfluss reduzieren
  • temporärer Rückhalt zur Brechung von Abflussspitzen
  • kontrollierte Ableitung über Notabflussweg
weitere Wirkung
  • Hitzeminderung
  • Anreicherung Grundwasser
  • Förderung Biodiversität
  • Schaffung von Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsraum
  • Verkehrsberuhigung / -reduktion

Projektkontext

Ausgangspunkt des Projekts war die strategische Zielsetzung der Gemeinde, den Strassenraum der Geerenstrasse neu zu gestalten und gleichzeitig den Bach für die Bevölkerung zugänglich zu machen. Bereits im Variantenstudium wurden angrenzende Privatflächen aktiv mitgedacht, sodass der Bach trotz der engen räumlichen Situation verbreitert werden konnte. Das Projekt wurde von der Gemeindeversammlung und dem Gemeinderat bewilligt, und die Bauarbeiten starteten im Sommer 2023. Die eigentliche Bauzeit am Gewässer betrug rund vier Wochen.

Die Aufwertung beschränkte sich dabei nicht allein auf den Bachraum. Auch der Strassenraum wurde neu organisiert und funktional mit dem Gewässerraum abgestimmt.

Teile des anfallenden Oberflächenwassers werden heute dezentral bewirtschaftet und kontrolliert über bepflanzte Bereiche oder in den Bachraum geführt. Dadurch wird das Regenwasser sichtbar in den natürlichen Wasserkreislauf eingebunden und die Kanalisation entlastet.

Das Projekt zeigt auf eindrückliche Weise, wie Gewässerrevitalisierung auch in sehr dicht bebauten Ortskernen möglich ist. Der neu gestaltete Bachabschnitt verbindet Hochwasserschutz, ökologische Entwicklung und eine deutliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Zentrum von Dielsdorf. Die Bevölkerung profitiert heute von neuen Zugängen zum Wasser, von Sitzgelegenheiten und einem attraktiven Freiraum entlang des Bachs.

Schwammstadtelemente

Der revitalisierte Abschnitt des Früeblibachs wurde so gestaltet, dass er Wasser zurückhalten, sich eigendynamisch entwickeln und gleichzeitig mit dem angrenzenden Raum verzahnt werden kann. Auf rund 80 Metern Länge wurde der Bach verbreitert, stellenweise ausgedolt und mit abwechslungsreichen Strukturelementen gestaltet. Ein wichtiges Merkmal des Projekts ist das abgestimmte Zusammenspiel zwischen Gewässerraum und Strassenraum. Die Gestaltung des Strassenraums berücksichtigt die natürliche Ableitung und Zwischenspeicherung von Niederschlagswasser über begrünte Flächen und bauliche Elemente. Dadurch werden Verdunstung, Rückhalt und Kühlung unterstützt, ohne dass technische Lösungen in den Vordergrund treten.

Die Bäume entlang der Geerenstrasse übernehmen dabei mehrere Funktionen. Neben ihrer Bedeutung für Beschattung und Aufenthaltsqualität tragen sie zur klimaangepassten Gestaltung des Strassenraums bei und wirken unterstützend im lokalen Wasserhaushalt. Vegetation und Oberflächen wurden so aufeinander abgestimmt, dass Regenwasser möglichst oberflächennah geführt und verzögert wird.

Wesentliche Elemente der Umsetzung:

  • Naturnahe Ufer und Böschungen:
    Die strassenseitige Böschung wird durch eine senkrechte Quadersteinmauer gesichert, um Erosion des Strassenkörpers zu verhindern. Gleichzeitig ermöglicht sie eine vielfältigere ökologische Gestaltung auf der gegenüberliegenden Seite.
  • Strukturelemente im Gerinne:
    Schwellen verhindern ein unerwünschtes Eintiefen des Bachs und schaffen Kolke, die Lebensräume für Fische wie die Bachforelle bieten. Totholz, Wurzelstöcke, Steine und Kiesstrukturen erzeugen eine naturnahe Bachsohle.
  • Durchlässige Wegeführung:
    Der begleitende Fussweg wurde mit einem wasserdurchlässigen Feinkiesbelag ausgeführt und so gestaltet, dass er sowohl rollstuhlgängig als auch für den Schulweg geeignet ist.
  • Beschattung und Vegetation:
    Neue Bäume und standortgerechte Bepflanzungen sorgen für Beschattung, verbessern das Mikroklima und fördern die ökologische Vielfalt.
  • Aufenthaltsräume am Wasser:
    Sitzsteine und eine kleine Sitztreppe ermöglichen direkten Kontakt zum Wasser und machen den Bach zu einem erlebbaren Teil des Ortszentrums.

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Schwammstadtelemente (wie Entsiegelung, strukturreiche Gerinne, Vegetation und Retentionsräume) in einem sehr begrenzten innerörtlichen Umfeld erfolgreich umgesetzt werden können.

Projektinformationen

Realisierung: 2023
Bauherrschaft: Gemeinde Dielsdorf
Planung: Müller Ingenieure AG
Länge des revitalisierten Abschnitts: 80 m
Kontakt: Christian Bossart, Müller Ingenieure AG ( Projektleiter Wasserbau); Benjamin Müller, Müller Ingenieure AG (Raumplaner und Gesamtprojektleiter)

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